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Trans Provence - Zenzos Marios Grandos

Das Rauschen im Helm wird lauter, Bäume fliegen förmlich an dir vorbei und du wirfst den Bremsanker für die nächste Kehre – so fühlt sich der erste Trail, der bei der offiziellen Trans Provence gewertet wurde, an. Es ist die Abfahrt in Richtung Barcelonette und das Abenteuer hat gerade erst begonnen. 

Diese Radtour rein aufs Radfahren zu reduzieren ist nicht möglich. Es geht um die Gefühle, wenn man den Startplatz verlässt und ihn nach 2h nicht mehr sehen kann. Man realisiert: Erst in 7 Tagen werde ich wieder hier sein. Alles was ich brauche, habe ich dabei.

Die Route der Trans Provence führt durch die unterschiedlichsten Gegenden in der Provence und den Seealpen in Frankreich und endet an der Côte d’Azur. Auch ohne Komplettanbieter mit Shuttles und Transfers ist dieses Abenteuer möglich und mit dem MTB kann man in 6 Tagen an den Strand fahren. Es gilt zumindest 12.500 Höhenmeter und 330 km an Distanz zu bewältigen, bevor der kühlende Sprung ins Meer möglich ist. Dazwischen liegen Spaß, Adrenalin, Schmerz und Erschöpfung.

Ohne guten Freund ist so ein Abenteuer kaum möglich. In diesem Fall wurde Wok von Zenzos Marios Grandos Petrus Amen begleitet (und ja, das ist ein echter Spitzname).

Buche deine Hotels auf der Route früh genug, denn in manchen Orten gibt es nicht viel Auswahl. Extra Kilometer und Höhenmeter will man vermeiden. Zum jeweiligen Tagesende findest du Hotels, die genau auf der Route liegen.

BUCHEMPFEHLUNGEN

für die Trans Provence

1. Routenplanung für die Trans Provence

Die Route von Embrun in der Provence bis nach Menton an der Còte d’Azur ist keine, die sich zu leicht finden lässt. Liegt der Fokus nicht nur auf dem Ankommen, sondern genau so sehr auf dem Fahrspaß bergab, kommt man nicht um eine vernünftige Planung umhin. Jeder Trail muss auf verschiedenen Webseiten begutachtet werden, denn wer schleppt sich schon tausend Höhenmeter nach oben, um dann keinen vernünftigen Trail zu haben. Dementsprechend ist auch die Wahl des Mountainbikes für die Trans Provence nicht ganz simpel. In der Planung steckt wirklich erheblich viel Zeit, deshalb werden die GPS Daten für € 15, verkauft. Bei Interesse dazu bitte einfach Wok kontaktieren. Diese Route beinhaltet den kompletten Weg, mit allen Trails ohne Unterstützung durch Auto o.ä.. Da diese Route nun schon 2x in ähnlicher Form gemacht wurde, gibt’s die GPS Daten für die besten Abfahrten aus beiden Varianten. Dabei ändert sich die unten beschrieben 3. Station von Entraunes zu Colmar. Generell bleibt der Charakter der gleiche und ein paar Trails werden über Schleifen erreicht und können deshalb auch ausgelassen werden.

Trans Provence - Route

2. Voraussetzungen

Für wen ist die hier beschriebene Trans Provence? Das ist nicht so leicht zu beantworten. Neben einer guten Ausdauer müssen die Fahrer/Innen auch eine gute Technik bergab besitzen. Man hat nur die Hälfte des Spaßes, wenn man die Trails nicht flüssig fahren kann. Im Sinne der Ausdauer müssen über 2000 Höhenmeter und im Schnitt über 50 km pro Tag zurückgelegt werden. Man darf diese Angaben aber nicht mit Erfahrungen mit perfekten Forststraßen vergleichen. Die 2000 Höhenmeter in und um Innsbruck gehen erheblich leichter und schneller als bei dieser Tour. Natürlich könnte man die Route auch in mehr als 6 Etappen fahren und so die Etappen verkürzen. Als ich die Tour das erste Mal gemacht habe (2017), war es sportlich gesehen, das Härteste, was ich bis dahin erlebt hatte. Umso größer war die Freude als das Meer zu sehen war. 

Die Ansprüche bergab werden folgendermaßen beschrieben: Für alle, die die S-Bewertungsskala für Singletrails kennen: S3 ist die häufigste Schwierigkeit der Trails. Es gibt Stellen mit S4 und natürlich einige Passagen mit S2. Wer das Hinterrad nicht versetzen kann, wird es hier entweder lernen oder öfters absteigen. 

Abschließend ist wichtig zu sagen, dass Männer zwingend Schnauzer zu tragen haben!

Trans Provence - Wok

3. Equipment 

Die Frage nach dem richtigen Equipment für die Trans Provence mit dem MTB ist wie folgt zu beantworten: So wenig wie möglich und immer das Wetter vernünftig beobachten. Eine der wichtigsten Entscheidungen ist, ob man im Vorfeld Hotels auf der Route bucht. Die Mitnahme von Isomatte und Schlafsack ist möglich, schmerzt aber auf Dauer. Bei gebuchten Hotels reichen im Wesentlichen zwei Garnituren von Kleidung: Funktionsunterhose, Socken, Shirt und Hose. Zusätzlich immer dabei ist eine Regenjacke und ein Longsleeve, falls es kalt wird. Eine Garnitur wird fürs Radfahren verwendet und jeden Abend zumindest im Waschbecken gereinigt. Die zweite braucht man dann für das Abendessen und die Nacht. Wirklich wichtig ist die Trottelmütze, a.k.a Schildkappe. So ein Sonnenstich ist erfahrungsgemäß gar nicht so lustig.

Für das Rad braucht man ein paar Werkzeuge:

– Tubeless-Flick Set (Patch und Maxalami), Ersatzschläuche und Pumpe umwickelt mit Duck Tape

– Multitool

– Kabelbinder

– Leatherman für alle Eventualitäten

– Kettenschloss (Quicklink)

– Mantelheber

– Lichter vorn und hinten, falls man mal länger braucht

Als absolut zentral zu betrachten sind im Sommer ein Camelbak und eine Trinkflasche. An manchen Tagen kommt man nicht allzu oft zum Nachfüllen und zumindest 2 Liter dabei zu haben ist immens wichtig. An langen Tagen, wie sie bei dieser Trans Provence auftreten, haben wir bis zu 9 Liter Wasser getrunken. Wenn man zumindest zu zweit unterwegs ist, kann man sich die Werkzeuge aufteilen.

Zum Schutz unumgänglich ist natürlich ein Helm. Empfehlenswert sind Handschuhe, Knieschoner und ein Rucksack mit Protektor. Ohne hier Werbung machen zu wollen: Der MTB Rucksack Evoc Fr Trail hat sich seine Nennung verdient.

Jedes Ding, dass man nicht am Rücken tragen muss, ist positiv. Also sollte man zumindest ein paar Dinge am Rad befestigen. Da scheiden sich jedoch die Geister, wenn es um Performance in der Abfahrt geht. Für uns kamen nur Ersatzschläuche und ein paar Teile, die mit einem Klettverschluss am Unterrohr montiert wurden in Frage. Die Trails sind wirklich vielfältig und etwas am Lenker baumeln zu haben, wenn der Weg schmal und ausgesetzt ist, ist Geschmackssache.

Trans Provence - Trans Provence -

4. Das Rad für die Trans Provence

Die Empfehlung ist ganz klar ein Enduro-Fully mit Federwegen zwischen 130 und 160 mm je nach Durchmesser der Laufräder. Die Trails sind von flowig und flach bis verblockt und steil, also das volle Sortiment. Die Aufstiege haben einen hohen Anteil an Asphalt und man trifft einige Rennradfahrer. Trotzdem wird man nicht umhin kommen und sein Rad mal schieben oder tragen müssen. Eine kritische Entscheidung ist die Reifenwahl bezogen auf Gewicht, Rollwiderstand, Schutz und Haltbarkeit. Die Empfehlung geht Richtung Schutz und Haltbarkeit und dafür ein bisschen mehr Gewicht. Die hier genannten Empfehlungen sind rein subjektiv und basieren auf Erfahrungswerten. Sehr gute Erfahrungen wurden mit dem Continental Baron Projekt und der Schwalbe Magic Mary gemacht. Sie sind nicht die leichtesten, rollen nicht bombastisch gut, aber sie fuhren bis zum Ende ohne ein Problem. Schlechtere Erfahrungen wurden mit dem Maxxis Highroller II mit Exo und den Michelin Enduro Reifen gemacht. Wichtig bleibt auf jeden Fall mit Hirn zu fahren und das Hinterrad nicht zu vernachlässigen. Am Weg gibt es nicht wirklich gute Chancen für eine grobe Reparatur.

Trans Provence -Räder

5. Anreise

Nur allzu gerne wären wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln an- und abgereist. Wenn man das vor hat, sollte man ein paar Tage mehr einplanen. Daher sind wir einfach mit dem Auto von Innsbruck nach Embrun gefahren. Technische Schwierigkeiten traten gleich in der ersten Nacht auf und so wurde diese neben einer Werkstätte verbracht. Das war aber nicht so schlimm, denn der erste Radtag ist der kürzeste. Schlimmer war die konstante Sorge, ob wir den Hinweg fortsetzen konnten. Gücklicher Weise war nach dem Werkstätten Besuch wieder alles ok.

6. Die Trans Provence – Leiden und Spaß haben

Für sehr viele Enduro Mountainbiker ist die Trans Provence ein Begriff, deshalb wird sie auch von einigen Anbietern als Komplettpaket angeboten. Die Trails in dieser Region sind einfach fabelhaft und abwechslungsreich. Die Tage sind lang und teilweise schmerzhaft. Doch das Gefühl es ans Meer zu schaffen ist einfach mit nichts anderem zu vergleichen.

Um entspannt zu Starten gibt’s hier ein paar Hoteloptionen in Embrun und Orres.

Die besten Unterkünfte Embrun und Orres:

→ Günstige Option: Le Chalvet

→ Gehobene Mittelklasse: La Robyere

→ Luxuriös, beinahe am Startpunkt: Alpin D’home

Tag 1: Embrun nach Barcelonette. Die Eckdaten: 1800 Höhenmeter und 33km

Und so begann das Abenteuer mit etwas Verspätung gegen halb 12 „Vormittag“. Nochmal schnell 10 Psi mehr in Gabel und den Dämpfer pumpen. Gleich zum Start wurde die geplante Route verlassen, denn der augenscheinliche Weg verläuft ja wohl anders. „Stupid is as stupid does“, um Forrest Gump zu zitieren. Der erste kleine Umweg war beschritten, 20 Minuten an Zeit verloren und das Gefühl von Stress setzte ein. Am ersten Tag mussten zwei Pässe bewältigt werden, wobei beim Zweiten das Rad getragen werden musste. Die erste Abfahrt in das Hochtal, über das man dann zum Col D’Orres gelangt, ist technisch oben ziemlich schwierig und wird mit sinkender Höhe immer flüssiger. Es ist die erste Abfahrt von vielen mit bösen Steinen, die nach dem Zerstören des Schaltwerks trachten. Also geht es los… diese Abfahrt ist auch wirklich nötig, um sich an den schweren Rucksack zu gewöhnen.

Der Weg zum Col D’Orres liegt in einem wild romantische Tal. Er ist sehr gut beschildert, aber auch anstrengend – rund eine Stunde tragen und schieben gehören dazu. Ja, diese Trans Provence wird uns auf jeden Fall ans Limit bringen. Vielleicht auch darüber. Belohnt wird man mit einer tollen Aussicht nach der ersten Trage-Einheit. 

Von diesem Col geht es zwar primär nach unten, jedoch wartet eine wirklich mühsame Querung (ca. 1 – 1,5 h) noch darauf bewältigt zu werden. Man wird sich dabei fragen, ob es wirklich nötig ist, sich dieser Querung auszusetzen. Aber der Trail danach ist dafür ungemein lustig und er entschädigt für alle Mühen. Bei diesem Trail sieht man das erste Mal die bunten VTT Schilder, die einem die Gewissheit eines guten Trails bescheinigen.

Hier finden wir zurück zum ersten Satz des Beitrags: Rauschen im Helm… Der Weg ist schmal und unglaublich gut in Schuss. Da liegt kein Stein im Weg und sobald man dieses Vertrauen erreicht hat, liegt die meiste Zeit kein Finger auf der Bremse. Nach der Abfahrt sind die Strapazen vergessen. Voller Adrenalin und Spaß realisieren wir, dass wir den ersten von 6 Tagen geschafft haben. Diese Trans Provence wird großartig! 

Die besten Unterkünfte in Barcelonnette:

→ Günstige Option: Chez Lizon

→ Mittelklasse: Maison d‘ hôtes Tranquyl, Cheval Blanc

Trans Provence MTB

Trans Provence - MTB

011 Trans Provence 2021

015 Trans Provence 2021 Trans Provence - Abfahrt 2

Tag 2: Barcelonette nach Entraunes. 2300 Höhenmeter und ~ 57km

In Barcelonette ist man umgeben von Rennradfahrern. Auch wenn früher das Rennradfahren nicht vorstellbar war, ist es heute schon mal für Mitte 40 geplant. In diesem Jahr führte die Route in Richtung des Straßenpasses La Bonnette, der offenbar der Höchste mit motorisierten Fahrzeugen befahrbare Pass Europas ist. Bei diesem Anstieg bekommt man unweigerlich ein Gefühl dafür, wie lange ein Kilometer ist, denn bei jedem findet sich ein Schild mit Höhe über dem Meer und durchschnittlicher Steigung für den kommenden Kilometer. Spätestens ab Kilometer 10 spürt man die Kontaktpunkte des Körpers mit dem Sattel und das Rechnen beginnt: Für den letzten Kilometer haben wir 8 Minuten gebraucht, die Steigung war 8% und wir mussten ca. 5 Mal aus dem Sattel, denn der Schmerz ist groß. Noch 12 Kilometer und 800 Höhenmeter, also noch mindestens 60 Mal in den Wiegetritt wechseln. Dieses Gedankenspiel bliebt einfach unverändert. Selbst wenn man sich in andere Gedanken flüchtet, bei jedem Kilometer und jedem Schild fällt man zurück. Wie war das nochmal mit dem Rennradfahren?

Von der Straße abzweigend ging es schiebend und kurz tragend zur ersten Abfahrt. Sobald wir die Menschen hinter uns ließen, besuchten uns Steinböcke mit neugierigen Blicken. Wir bekamen Angst, weil sie keine hatten.

Technisch war die erste Abfahrt am zweiten Tag der Trans Provence ziemlich anspruchsvoll und zeitweise ausgesetzt. Die 1600 Höhenmeter Anstieg hinterließen auch ihre Spuren. Der ausgesetzte Teil kann in manchen Fällen wirklich beeinträchtigend sein und man steigt doch freiwillig ab, obwohl es fahrbar wäre. Der erste Hang war geprägt von engen Kehren, offene, ruppige Wiesen bis hin zu rutschigen Querungen mit noch engeren Kehren. Die unteren Kehren waren nicht nur enger, sondern auch der Tiefblick tiefer. Stürzen war keine echte Option.

Die Route führt dann weiter über den Col des Cayolle. Der Trail vom Col de Cayolle war höher frequentiert als erwartet, jedoch nur so lange, bis man die erste Abzweigung erreichte. Von dort weg ging es dann wirklich nach unten. Nicht leicht, nicht wirklich schwierig, aber genau zu fahren war wichtig, ansonsten wäre man dauernd an Steinen hängen geblieben.

Der nächste und letzte Anstieg am zweiten Tag führte kurz durch den Nationalpark Mercantour. Nachdem es eine Schotterquerung nach oben ist, schmerzt das Schieben nicht. Der Trail nach Entraunes ist dafür wieder richtig gut. Leider hatten wir hier die erste und einzige echte Panne. Ein Stein zerbrach eine Speiche, diese bohrte sich wiederum durch das Dichtband der Felge und so war der Reifen platt. Bei so ziemlich allen Reifen benötigen wir keine Mantelheber mehr. Die Kombination aus Newman und Schwalbe belehrte uns eines Besseren und das einzige Glück war, dass die Felge schon lädiert war.

Hotels in Entraunes gibt es nicht wirklich viele. Mit dem Rad will man keine Kilometer umsonst fahren, also bleibt nur eines über.

Die beste Unterkunft in Entraunes:

Auberge Roche Grande

Falls du Dir den GPS Track kaufst oder dir selbst die Variante nach Colmars suchst, gibt es dort oder in Villars-Colmars mehr Auswahl

Die besten Unterkünfte in Colmars und Villars-Colmars:

Grand Maison

Le Martagon

Maison Semaine

Trans Provence - am Weg zum Col Girabaeu 030 Trans Provence 2021

Tag 3: Entraunes nach Guillaume. 1800 Höhenmeter und ~50 KM

Der Tag beginnt mit einem eigentlich gut tretbaren Schotterweg. Dieser endet leider viel zu früh nach ein paar hundert Höhenmetern und das Schieben beginnt. Die Planung war gut und korrekt, nur die Distanzen wurden unterschätzt. Es zog sich erheblich in die Länge. Der Fokus sollte dann auf die unfassbare Landschaft gelegt werden. Schwarzer Stein in saftig gelb-grünen Wiesen. Es ist eine außergewöhnliche Landschaft! Nach gut 3 Stunden waren wir bei der Abfahrt angekommen und diese hat es in sich. Zuerst quasi alpin, um dann mit massiv viel Schwung über schwarz geformte Hügel zu fahren. Es folgt ein Trail im Wald, der alle Stücke spielt –  technisch, flowig, steil, flach und Kurven, bei denen das Grinsen nicht mehr aufhört. 

Es folgt ein kurzer Aufstieg in das Örtchen Chateneuf d’Entraunes. Unscheinbar folgt man der Abfahrt, bis man sich komplett auf schwarzem Sand wiederfindet, der sich wie Beton anfühlt. Es ist ein besonderes Erlebnis für alle, die noch nie schwarzen Sand gefahren sind.

Die letzte Runde ist direkt bei Guillaume. Nochmal 500 Höhenmeter über die Straße, um dann durch den Wald wieder zurück ins Tal zu kommen. Diese ist richtig schmerzhaft, falls man von Colmars kommt.

Die besten Unterkünfte in Guillaume:

→ Ein Apartment zum selbst (genug)  kochen: Apartment tres spacieux

Trans Provence - Wok Abfahrt 036 Trans Provence 2021
Trans Provence - Dorf EntraunesTrans Provence - Stylisch nach unten
040 Trans Provence 2021

Tag 4: Guillaume nach Valdeblore. 2700 Höhenmeter und ~ 80KM

Bei Tag 4 war klar, dass er ein langer werden wird. Voller Hoffnung fanden wir uns um 08:20 bei der Bushaltestelle in Guillaume ein. Denn laut Aushang fährt ein Bus 1x täglich von Guillaume nach Valberg. Doch leider ist dieser nie gekommen. So begann unser Anstieg etwas spät für das anstehende Programm. Von Valberg ist es immer noch lang und weit bis zur ersten Abfahrt. Über Schotterstraßen mal bergauf, mal bergab schlängelt sich der Weg. Die Abfahrt wiederum wartet mit rotem Sand auf einen. Man muss hierbei zwingend beachten, dass es keine Einkehrmöglichkeit nach dieser Abfahrt gibt – kein Essen und vor allem kein Wasser. Bis zur nächsten Chance werden ca. 500 Höhenmeter Straße nach oben vergehen. Leider waren wir eben etwas spät dran und sind deshalb von Pierlas nach Ilonse gefahren und konnten so zumindest 1-2 Stunden zeitlich sparen. Dafür musste ein Trail ausgelassen werden. Der folgende und finale Anstieg des Tages geht dann nach Valdeblore. Es gibt einen kleinen Supermarkt in Valdeblore, bei dem wir uns mit Zuckerhaltigem eindecken mussten.
Der Schlafplatz in Valdeblore ist nach der eigenen Einschätzung zu buchen. Es bietet sich an zwischen La Bolline und La Colmiane zu schlafen. 

Die besten Unterkünfte in Valdeblore:

→ La Bolline: Maison de Josefine, Villa Rosemarie

→ Saint Dalmas: Le Millefonds, Les chambres du Presbytère du Val

→ La Colmiane: Valdeblore de la Colmiane

Trans Provence - Rote Erde Trans Provence - Pierlas Trans Provence - Trans Provence - Ilonse

Tag 5: Valdeblore – Sospel. ~2400 Höhenmeter und ~ 75km

Der Tag begann mit müden Beinen 🙂 Wieder schätzte der Wok die Distanzen etwas optimistisch ein und vom vermeintlich ersten höchsten Punkt des Tages vergingen wieder 2 Stunden bis zu ersten Abfahrt. Die Schotterstraße die nach oben führt ist grob und flach. Oben angekommen mussten die Räder getragen werden, da der geplante Weg der Natur zum Opfer gefallen ist. Danach hantelt man sich von Grashügel zu Grashügel und erkennt erst sehr spät, wo die Abfahrt wirklich los geht. Teilweise ausgesetzt quert man die Hänge und dabei sollte Energie gespart werden, dann was dann kommt, braucht einiges an Energie.

Gut 1500 Höhenmeter bergab führt ein Trail in die Stadt Lantosque. Der Trail ist wirklich großartig, nur ist er fordernd. Wenn man dabei Flow finden will, muss man pushen. Tiefe Absätze und große Steine verlangen eine kluge Linienwahl und immer genug Schwung. Der Wok lernte auch, dass die Bremsgriffe zu flach eingestellt waren, denn die Handgelenke waren nach den ersten 300 Höhenmeter beleidigt. Dieser Trail wird gehegt und gepflegt und fährt sich deshalb sehr gut. Wer schon müde beginnt, wünscht sich trotzdem ein früheres Ende des Trails, egal wie gut er ist.

In Lantosque zeigte das Thermometer angenehme 36°C. An sich müsste das kein Problem sein, nur der nächste Anstieg war der sagenumwobene Col de Turini. 1200 Höhenmeter glühender Asphalt auf einer Strecke von 16 km. Der Trail nach Moulinet hinab ist dafür wieder super gut. Er beginnt leicht unscheinbar, aber entwickelt sich vom schnellen Weg im Wald bis hin zu engen steinigen Kehren mit toller Aussicht. Die Nachteile von toller Aussicht sind manchmal etwas Angst vor dem Runterfallen.

In Moulinet mussten wir uns leider für die Straße nach Sospel entscheiden. Dunkelheit auf einem unbekannten Trail geht nämlich selten gut aus. Zusätzlich wurden schon wirklich viel Trail gefahren und man konnte, auch aufgrund der physischen Konstitution, auf einen weiteren Trail an diesem Tag verzichten. Speziell in Sospel sollte man früh genug die Unterkunft buchen!

Die besten Unterkünfte in und bei Sospel:

→ In der Stadt:Les Hirondelles oder Les Garibaldi

→ Falls die Stadt ausgebucht ist, gibt’s hier Wohnwägen zu mieten: Camping Mas Fleuri

 

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Tag 6: Sospel – Menton

Wenn man in Sospel mit seinem Enduro auftaucht, sollte man zumindest eine Runde auf dem Mont Agaisen drehen. Quasi die Hausrunde mit einigen Optionen für knackige Abfahrten. Es liegt vielleicht an der Nähe zum Meer, dass die Wege hier sehr steinig und ruppig sind. Dessen ungeachtet wurde mal optimistisch in den Trail gestartet. Die ersten Steine wurden noch lässig übersprungen, um dann in großer Panik an den Bremshebeln zu reißen. Auf viele Steine folgten dann noch mehr und zusätzlich Wurzeln, Stufen und steiles Gelände. Zumindest fliegt man im Wald nicht weit. Knapp vor Trailende gab’s noch einen schnellen Patschen, um dann gemütlich in Sospel Pause zu machen.

Der letzte Anstieg führte dann wieder über einen Straßenpass und einen Schotterweg zu Saint Agnes. Hoch über dem Meer liegt dieses Kloster. Das erste Mal ist das Meer wirklich zu sehen und zu spüren. Es fängt leicht an zu kribbeln. Der Weg ist fast geschafft und wir sind dem Ziel schon sehr nahe. Noch einmal bei der Abfahrt vernünftig konzentrieren, denn von dort gibt es wieder mindestens 2 Trailvarianten. Der Weg, der mehrmals die Straße kreuzt, eignet sich super, um die Trails abzuschließen und wohlbehalten am Meer anzukommen.

Die besten Unterkünfte in Menton:

→ „Günstige“ Optionen: De Belgique oder Narev

→ Mittelklasse: Pavillon Imperial oder Riva Art & Spa

→ Luxuriös: Villa Genesis

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Tag 7: Rückreise zum Auto

Wer dem französisch mächtig ist, wird sich vielleicht etwas leichter tun. Uns hätte es auch nichts geholfen, denn alle Schalter am Bahnhof waren geschlossen. Auch die Touristeninfo konnte uns nicht helfen. Zuerst das Positive: In allen Regionalzügen in Frankreich ist die Fahrradmitnahme möglich und kostenlos. Man darf sich nicht zwingend einen guten Platz erwarten, aber es geht immer irgendwie.

Um zurück nach Embrun zu gelangen waren folgenden Stopps notwendig: 

– von Embrun nach Nizza mit dem Regionalzug

– von Nizza nach Marseille mit dem Regionalzug

– von Marseille nach Gap mit dem Bus (Fahrrad zerlegt)

– von Gap nach Embrun mit dem Zug

Dauer der Reise ~ 9h

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Kameraequipment

Ich werde des Öfteren gefragt, welche Kamera und welches Zubehör ich benutze und ich empfehlen kann. Ich hatte folgendes auf meiner Reise mit und bin mit allem sehr zufrieden:

Verwendetes Equipment

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Comments:

  • Luki

    21. September 2022

    Ich bin heuer auch eine Trans Provence – großteils auf euren Tracks – gefahren. Ein wahres Bike-Abenteuer, das einen durch unbeschreibliche, wilde Landschaften führt und einen die eigenen Grenzen spüren lässt. Die genialen, teilweise sehr technischen Abfahrten entschädigen für die Strapazen, genauso wie der Moment, an dem man am letzten Tag in den Bergen über Menton ankommt und zum ersten Mal das Meer erblickt. Absolut Mega! Absolute Bucket-List tour für jeden MTB Enduristen.
    Thumbs UP!!

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  • Zenos Marios

    24. November 2021

    Wokkus Christus Quadrus! Nachdem i koa Whatsapp mehr hab und i nit woaß obs a SMS bis nach Nepal schafft: Alls guate zum Geburtstag!!! Hoff es habts a feine Zeit und freu mi scho auf ein Update da auf da Seite 🙂

    reply...

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