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Milchstraße fotografiern - Tipps & Tricks

Wenn dich die Sterne und das Fotografieren faszinieren, dann gibt es wohl kein besseres Motiv als die Milchstrasse. Deshalb findest du hier eine Anleitung wie du am besten die Milchstrasse fotografierst – von der Planung bis zu den Kameraeinstellungen und der Bearbeitung.

BUCHEMPFEHLUNGEN

Fotografieren bei Nacht

Mit großer Überraschung haben wir festgestellt, dass das Fotografieren der Milchstrasse gar nicht so schwer ist. Voraussetzung ist natürlich eine vernünftige Planung, passendes Equipment und etwas Glück mit dem Wetter.

Folgendes Bild ist zum Beispiel unverhofft bei der Skitour auf den Großglockner entstanden. Denn die Milchstrasse dort zu fotografieren war nicht geplant, aber die Bedingungen haben glücklicherweise an diesem Tag perfekt gepasst.

Lokalisierung und Timing

Wo findest du die Milchstrasse

Um die Milchstrasse fotografieren zu können, musst du natürlich zuerst wissen, wo du sie findest. Als enorm hilfreich hat sich Stellarium bewährt. Es gibt eine gratis Online-Version oder du kannst sie auch als App für dein Handy kaufen. Hier kannst du dann den Ort, Datum und Uhrzeit eingeben und Stellarium zeigt dir einen realistischen 3D-Himmel an. Eine sonst gern genutzte App ist Photopills. Mit dieser Empfehlung steht schon mal der erste wichtige Schritt.

Wann findest du die Milchstrasse

Auf der nördlichen Erdhalbkugel findest du sie am leichtesten zwischen April und Oktober – also während der Sommermonaten. Da ist sie nämlich mit freiem Auge erkennbar. Im Winter sind die Nächte oft noch erheblich klarer als im Sommer und es wird auch dann möglich sein, die Milchstrasse zu fotografieren. Es gilt zusätzlich, dass die Uhrzeit der Sichtbarkeit über die Monate variiert. 

Voraussetzungen für die Sichtbarkeit – Milchstrasse fotografieren

Dazu gibt es unserer Meinung nach 2 wesentliche Faktoren:

  • Das Wetter
  • Die Lichtverschmutzung

Der erste genannte Punkt bringt natürlich wieder einiges an Komplexität mit. In Österreich hilft einerseits eine sehr gute Berichterstattung und zusätzlich gibt es auf der Seite ZAMG sogar eine Animation, die den Bewölkungsgrad für die nächsten 72 Stunden prognostiziert. Ist der Himmel stark bewölkt, nutzt der beste Standort nichts. Also hofft man natürlich auf klare Nächte. Die, die im Frühjahr so schön kalt sein können.

Die Lichtverschmutzung kann man unterteilen in die natürliche Lichtverschmutzung, zum Beispiel durch den Mond, und die menschliche Verschmutzung durch Industrie, Verkehr, Haushalt etc. Diese beiden Themen sind allerdings leicht zu klären. Der Mond hat seine fixen Phasen und daher ist die Neumondphase, die Zeit wo man die Milchstraße am besten sieht. Es muss nicht exakt der Tag des Neumondes sein. Man kann auch 3-5 Tage rund um Neumond noch sehr gute Ergebnisse erzielen. Die menschliche Lichtverschmutzung kannst du auf Light Pollution Map nachsehen und entscheiden, welcher Standort für dich geeignet ist. Hier gilt natürlich, je weniger die Luftverschmutzung ist, desto besser. Ein optimales Setting ist zum Beispiel bei Neumond auf einem hohen, abgeschiedenen Berg.

Das Equipment – Milchstrasse fotografieren

Um die Milchstrasse zu fotografieren, benötigst du natürlich auch das passendes Equipment. Wer denkt, dass Milchstraßenfotos von sehr teurer Ausstattung abhängen, liegt meist falsch. Ja es ist sicher nicht die billigste Fotografie, aber wir erzielten auch mit der Sony Alpha 6400 sehr gute Ergebnisse. Nichtsdestotrotz hat eine Vollformat-Kamera klare Vorteile, die gleich unten beschrieben sind. Neben der Kamera benötigst du natürlich ein Stativ und ganz wichtig ist ein lichtstarkes Objektiv. Je mehr du die Blende öffnen kannst bzw. je kleiner die Blendenzahl, desto besser werden deine Ergebnisse sein.

Die Haupteinflussfaktoren für gute Bilder sind:

  • Belichtungszeit
  • Blende
  • Rauschverhalten

Belichtungszeit

Die optimale Belichtungszeit hängt im Wesentlichen von der Brennweite und dem Sensor ab. Man will möglichst lange belichten, jedoch sollen die Sterne auch punktförmig bleiben. Denn du musst bedenken, dass sich die Erde während der Belichtungszeit weiterdreht und wenn du zu lange belichtest, wirst du ansonsten strichförmige Sterne erzeugen.

Anfangs haben wir auch der folgende Formel geglaubt: Maximale Zeit = 500s / Brennweite x Cropfaktor. Für die Sony Alpha 6400 inkl. 16 mm Objektiv ergab sich so eine Zeit von ~20 Sekunden. Zur kleinen Überraschung waren die Sterne schon bei Weitem nicht mehr punktförmig. Also haben wir uns noch etwas schlau gemacht und herausgefunden, dass auch die Pixeldichte auf dem Sensor die Belichtungszeit beeinflusst. Schlussendlich ergab sich dann eine optimale Belichtungszeit von 12,8 Sekunden.

Milchstraße Bleckwand mit Zelt

Ein kurzer Input dazu: der Stern wird strichförmig, wenn ihn nicht nur mehr 1 Pixel deines Sensors über die gesamte Belichtungsdauer sieht. Je kleiner der Sensor und je höher die Pixeldichte, desto geringer die Zeit bis der Stern strichförmig wird. Somit ist auch erklärt, wie die Startrails-Bilder prinzipiell erstellt werden. Einfach lange genug belichten und die Sternenspur wird immer länger.

Pixeldichte-ProblemBlende

Die Blende entscheidet wie viel Licht auf deinen Sensor fällt. Somit ist bei dunklem Himmel auch klar, dass jedes bisschen Licht genutzt werden sollte. Öffne daher deine Blende so weit du kannst, ansonsten hilft dir der größte Sensor und das weitwinkligste Objektiv nichts mehr, weil du zu lange belichten musst. Mit unseren Objektiven fotografieren wir meist mit Blende f/1.4 oder f/1.8.

Rauschverhalten

Das Rauschverhalten wird dann schon etwas schwieriger und Geschmackssache. Je höher die Lichtempfindlichkeit (ISO-Wert), desto „mehr Licht“ wird eingefangen und desto mehr rauscht das Bild. Das muss jeder für sich und sein Equipment austesten. Zum ersten Starten empfehlen wir ISO 1600 zu benutzen. Moderne Kameras, auch spiegellose, werden damit noch gute Ergebnisse erzielen. Für moderne Vollformat Kameras ist ISO 3200 auch problemlos möglich. Da wird man ums Testen nicht herumkommen.

Stativ – Die Milchstrasse wirst du ohne nicht fotografieren

Neben der Kamera wird ein stabiles Stativ unumgänglich sein. Und hier sind wir auch wieder in einem Kompromiss-Feld. So wie bei der Kamera und den Objektiven musst du auch dein Stativ tragen. Willst du die Milchstraße vom Berg oder anderen schwer erreichbaren Plätzen aus fotografieren, bekommst du ganz schnell ein Gefühl dafür, was für einen Unterschied 500 g machen können. Je leichter die Kamera ist, desto leichter kann auch dein Stativ ausfallen. Es muss nicht zwingend 8 kg tragen können, wenn deine Kamera + Objektiv keine 1,5 kg hat. Zu Bedenken gilt jedoch, dass exponierte Plätze auch windanfällig sind und so benutzt man auch mal ein zusätzliches Gewicht zum Stabilisieren.

Milchstraße mit Kajak am Obernberger See

Wir haben derzeit 2 Stative im Einsatz: 

Packliste – Milchstraße fotografieren

Damit du bei deinem nächtlichen Ausflug nichts vergisst, haben wir alle nötigen Dingen in einer Packliste zusammengeschrieben, die du brauchst, wenn du die Milchstraße fotografieren möchtest.

Die Milchstraße fotografieren

Fokussieren

Nun gehen wir davon aus, dass wir einen vernünftigen Platz gefunden haben, das Wetter passt und wir zur richtigen Uhrzeit mit Kamera am Stativ bereit stehen. Der Blick in den Himmel sagt ganz klar: da drüben oben ist die Milchstraße. Also richten wir die Kamera aus und merken: der Autofokus entscheidet sich nicht. Wir müssen also manuell fokussieren. Dazu gibt es mehrere Varianten. Wichtig ist natürlich, dass die Milchstrasse doch ein Stück weit weg ist, für die Kamera wohl am ehesten unendlich. 

Bei einigen Objektiven sieht man am Fokusring das unendlich Zeichen (liegende 8). Nur ist das nicht zwingend wirklich unendlich, da man bei vielen Objektiven auch drüber drehen kann. Ist das nicht der Fall und unendlich ist wirklich unendlich, sollte der Fokus schon passen. Wahrscheinlicher ist es, dass man unendlich überdrehen kann. Dann wird schon etwas mehr Feingefühl benötigt. 

  • Variante 1: Bei Tageslicht mit Autofokus ein weit entferntes Objekt in den Fokus nehmen, dann umschalten auf manuellen Fokus und mit einem Tixo (Tesa) die Verdrehung fixieren und nicht mehr ändern.
  • Variante 2: Je nach Kamera, den Liveview nutzen. Also ganz „gewöhnliches“ manuelles fokussieren, nur das du das Ergebnis im Liveview kontrollierst. Viele Kameras bieten die Möglichkeit beim manuellen Fokussieren das Bild zu vergrößern. Die Sony Alpha 6400 zeigt sowohl im Sucher als auch im Liveview den Ausschnitt, der mit einer Taste doppelt so groß dargestellt werden kann. Als allererstes musst du dir einen hellen Stern suchen, auf den du fokussieren kannstDann einfach den Fokusring drehen und die Einstellung nehmen, bei der dieser Stern am schärfsten dargestellt wird. Das bekommt man recht schnell ins Gefühl.

Die Aufnahme – Milchstraße fotografieren

Wir haben nun also die Kamera ausgerichtet und richtig fokussiert. Einfach abdrücken ist eine Variante, die nicht zwingend zu empfehlen ist, da man das Ganze gern dabei verwackelt. Also entweder Fernauslöser, mit dem Handy auslösen oder Selbstauslöser.

Wir haben also das erste Foto gemacht. Dieses wird dann bewundert und begutachtet. Zomm ruhig ins Bild hinein und kontrolliere, ob der Fokus passt. Weil diesen wirst du bei der Nachbearbeitung nur bedingt retten können. Probiere verschiedene Belichtungszeiten und ISO-Werte aus. Schau sie dir am nächsten Tag am PC an und entscheide für dich das Setting, das dir am besten gefällt.

Bildgestaltung

Auch bei Fotos mit der Milchstraße ist es gut, wenn dein Bild auch einen Vordergrund hat. Das erzeugt einerseits Tiefe und andererseits peppt es das Bild erheblich auf. Was du in den Vordergrund rückst ist natürlich dir überlassen. Einfach abzubilden sind unbewegliche Gegenstände, wie Bäume, Berge oder sonstiges aus der Natur. 

Bildbearbeitung

Es gibt in der Fotobearbeitung immer den Knackpunkt „wem gefällt was“. Beim Bearbeiten von Sternenbildern wird das subjektive Empfinden auf die Probe gestellt. Selbst bei unserem Inspirator für Sternenfots „Venture Photography sieht man doch erhebliche Unterschiede der Bearbeitung bei verschiedenen Bildern. Von „Disney“ violett bis hin zu blau über leicht grünlich ist da alles vorhanden. Ich will definitiv klarstellen, dass das keine Kritik ist und wir die Fotos wirklich unglaublich gut finden. Eben so gut, dass sie inspirieren.

Genug der Einleitung: Für den manuellen Weißabgleich ist es bei Sternenfotos unerlässlich im RAW-Format zu fotografieren. Zuerst konzentriert man sich nur auf die Farbe der Milchstraße. Wenn man die beiden Regler Temperatur und Tönung im Lightrrom etwas bewegt, sieht man schon den erheblichen Einfluss.

Je nach Bildkomposition kann man ruhig den Kontrast sehr hoch ziehen und wieder mit den Reglern Belichtung, Tönung, Weiß und Schwarz korrigieren. Bei Lightroom hat man, je nach Version, noch die Regler Sättigung und Klarheit. Da muss man einfach ein bisschen herumspielen bis es für einen passt.

Zum zusätzlichen Herausheben der Milchstrasse, kann man entweder mit dem Korrekturpinsel oder den Verlaufsfiltern der Milchstrasse etwas mehr Licht geben, indem man z.B. den umliegenden Himmel etwas abdunkelt (Dodge and Burn)

Komplex wird’s dann mit dem Rauschen und Schärfen. Da sind natürlich die Vollformat-Sensoren im Vorteil, da sie rauschresistenter sind. Dennoch sind wir mit der Sony Alpha 6400 und ihrem Crop-Sensor zufrieden.

Beginne deine Bildbearbeitung mit diesen Vorgaben und sehe dir parallel Bilder an, die dir gefallen. Du wirst sehen, dass mit ein bisschen Spielen und Regeln sehr gute Ergebnisse erzielbar sind. Einfach mit etwas Ruhe und Geduld an die Sache gehen. 

Wir hoffen, dir mit dieser Anleitung eine grundsätzliche Idee zum Fotografieren der Milchstraße gegeben zu haben und wünschen dir viel Spaß bei deiner nächtlichen Fototour. 

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